Süddeutsches Rheumazentrum in Neuenbürg

Das Süddeutsche Rheumazentrum Neuenbürg ist eine spezialisierte Akutklinik für Rheumatologie.

Schwerpunkte liegen hier auf der Behandlung von Patienten mit den klassischen entzündlichen Gelenkrheumaformen wie z.B. der rheumatoiden Arthritis, der Psoriasisarthritis oder auch Formen von Wirbelsäulenrheuma. Aufgrund der vorhanden hohen langjährigen Expertise des Behandlungsteams können weiter sämtliche komplexe rheumatologische Krankheitsbilder versorgt werden.

Es besteht eine enge Kooperation mit dem orthopädischen Gelenkzentrum Schwarzwald und auch anderen Fachdisziplinen wie z.B. der Schmerztherapie.

Ein einzigartiges interdisziplinäres Konzept soll eine Versorgung von rheumatologischen Patienten „aus einem Guß“ garantieren und das Wohl des Patienten in dem gesamten Behandlungsverlauf in den Vordergrund stellen.

In der Klinik können rheumatologische Patienten ambulant und auch stationär versorgt werden.  

Wir freuen uns auf sie.

Leistungsspektrum

Ambulante rheumatologische Versorgung

PORTALambulanz

Mit unserem interdisziplinären Konzept der PORTALambulanz für Patientenneuvorstellungen in Verbindung mit den Fachdisziplinen der Orthopädie und auch der Schmerztherapie sind wir die Anlaufstelle für sämtliche Patienten mit unklaren Schmerzen am Bewegungsapparat oder an den Gelenken.

Durch ein Faxsystem (siehe nachfolgend Terminvereinbarung ambulant) mit einer vorherigen Einteilung der Patienten nach möglichen Krankheitsbildern können wir eine Sichtung der Patienten - wenn notwendig - von bis zu 3 Fachärzten am Tag der ambulanten Vorstellung möglich machen. Dieses hohe Maß an interdisziplinärer Zusammenarbeit kommt einzig dem Patientenwohl zugute. Sollten sich die medizinischen Probleme nach der Sichtung der Patienten als zu schwerwiegend ergeben, um sie ambulant lösen zu können, können wir dahingehend einen auf den Patienten zugeschnittenen stationären Aufenthalt anbieten.

Eine Zuweisung kann ambulant erfolgen mit einem Überweisungsschein direkt durch einen Hausarzt, Internisten, Dermatologen und auch physikalischen Mediziner oder auf Empfehlung von anderen Krankenhäusern ebenfalls mit einem ambulanten Überweisungsschein oder auch als Konsil. Die Patienten erhalten am Tag der Vorstellung bereits einen Arztbrief mit nachhause mit den relevanten Informationen bezüglich der notwendigen Weiterversorgung.

Bild: Konzept der PORTALambulanz

Weitere Ambulanzen

Neben der PORTALambulanz gibt es auch eine rheumatologische AKUTambulanz für dringende rheumatologische Fälle mit einer Terminvergabe innerhalb von 2-4 Wochen. In ganz dringenden Fällen sind wir für Ihren betreuenden Arzt auch telefonisch unter der unten genannten Telefonnummer erreichbar.

Weiterhin existiert eine normale ROUTINEambulanz beispielsweise für Wiederkehrer und auch eine INFUSIONSambulanz, in der sämtliche gängigen rheumatologischen Infusionstherapien verabreicht werden können (z.B. Cyclophosphamid, Rituximab u.a.).

Terminvereinbarung ambulant

Für alle ambulanten Anmeldungen bitten wir vor der Terminvergabe um eine kurze Einschätzung und Information über ihre aktuelle Krankheitssituation von Ihrem behandelnden Arzt. Dafür wird Ihrem Arzt auf Anfrage ein kurzes Fax zum Ausfüllen zugesandt (siehe unten Anmeldeformular). Dies dient uns zur Einschätzung ihres Krankheitsbildes sowie daraus folgend zur Festlegung der Dringlichkeit des Termins.

An Ihrem Termin benötigen wir dann einen mitgebrachten Überweisungsschein vom Arzt (möglich vom Hausarzt, Internist, Orthopäde, Dermatologe, physikalischen Mediziner).

Stationäre rheumatologische Versorgung

Stationäres rheumatologisches Versorgungskonzept

Die stationäre Versorgung erfolgt durch ein speziell geschultes interdisziplinäres Team bestehend aus Ärzten und Pflegepersonal, in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der Orthopädie und der Schmerztherapie und ergänzend den Physio- und Ergotherapeuten. Je nach Krankheitsschwere wird am Anfang des stationären Aufenthaltes über ein Behandlungsprogramm und im Verlauf des Aufenthaltes über die Dauer der stationären Behandlung entschieden.

Wir freuen uns sehr, dass wir auch die sogenannten Komplextherapien anbieten können. Dies sind speziell für den rheumatologischen Patienten entworfene teamorientierte interdisziplinäre Therapieprogramme, die eine hohe Dichte an Therapien mit den drei Säulen psychologische Schmerztherapie, Physiotherapie und Ergotherapie vorsehen.

Sämtliche diagnostische Untersuchungsmethoden wie Ultraschall, Computertomografien und Magnetresonanztomografien sind vor Ort oder in Kooperation in Krankenhausnähe verfügbar. Ebenfalls besteht eine enge Zusammenarbeit mit zuarbeitenden Fachdisziplinen wie zum Beispiel der Pulmonologie, der Nephrologie und anderen.

Das Ziel der stationären Versorgung ist eine Versorgung des Patienten „aus einem Guss“ mit einer höchstmöglichen Effizienz zum Wohle des Patienten. Die ganzheitliche und sektorenübergreifende Versorgung spiegelt sich auch wieder in dem Vorhandensein eines Sozialdienstes. So kann bereits im Rahmen der akutstationären rheumatologischen Versorgung im Falle der Notwendigkeit die Weiterbehandlung beispielsweise im Rahmen einer anschließenden Rehabilitation oder die ambulante rheumatologische Anbindung geplant werden.

Es sind ab dem 1.1.2020 zehn stationäre Betten zur Belegung von rheumatologischen Patienten vorhanden.

Terminvereinbarung stationär

Die stationäre Aufnahme erfolgt durch das Ausstellen einer Einweisung Ihres behandelnden Arztes. Die stationäre Einweisung ist prinzipiell durch jeden betreuenden Arzt möglich.

Weist Sie der Arzt ins Krankenhaus ein und sind wir uns bei der schriftlichen Anmeldung nicht sicher, ob bei Ihnen eine rheumatologische Grunderkrankung vorliegt, werden Sie in die prästationäre Ambulanz einbestellt. Dort wird von einem unserer Rheumatologen eine Einschätzung (Sichtung) vorgenommen, ob bei Ihnen „Rheuma" vorliegt und ob wir Sie stationär behandeln können. Im Anschluss an den Termin wird zusammen mit Ihnen festgelegt, wann die stationäre Aufnahme erfolgen soll.

Patientenführer Rheuma Rheumazentrum Schwarzwald

Der Patientenführer Rheuma beginnend mit Punkt 4. soll ihnen mit den am meisten gestellten Patientenfrage und den dazu angegeben Antworten einen kurzen Überblick geben über das Thema „Rheuma“. Es ist zu empfehlen, den Patientenführer beginnend von vorne zu lesen, aber auch ein Quereinstieg in die einzelnen Kapitel ist möglich.

Was ist Rheuma?

Als „Rheuma“ werden in der Umgangssprache nahezu alle Beschwerden bezeichnet, die den Bewegungsapparat (Knochen, Muskeln, Gelenke) betreffen und zu einer Bewegungseinschränkung führen. Die eigentlichen „echten“ entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, das Entzündungsrheuma, kann jedoch von Beschwerden wie bei dem normalen Gelenkverschleiß (Arthrose) oder bei dem Weichteilrheumatismus als Form eines Schmerzsyndroms klar unterschieden werden. Es kommt beim „echten“ Rheuma zu einer Entzündung im Körper. Diese Entzündung entsteht durch einen Angriff eines Teiles des körpereigenen Abwehrsystems. Das Abwehrsystem verteidigt den Körper normalerweise gegen fremde Stoffe wie zum Beispiel Viren und Bakterien. Und nun greift ein Teil des Abwehrsystems fälschlicherweise den eigenen Körper an. Warum das passiert, ist bis heute nicht eindeutig klar. Man vermutet in der Entstehung die Möglichkeit einer erblichen Veranlagung und das Hinzukommen eines unbekannten auslösenden Faktors. Es können bei den „echten“ entzündlichen rheumatischen Erkrankungen nahezu alle Körperteile und Organe betroffen sein. Die echten entzündlichen rheumatischen Erkrankungen werden auch Autoimmunerkrankungen genannt. Von der Verlaufsdauer sind diese generell als chronisch anzusehen, wobei unterschiedliche Verläufe - auch mit der Möglichkeit des erneuten Verschwindens der Erkrankungen - gesehen werden.

Was gibt es für Erkrankungen bei Rheuma?

Klassisches Gelenkrheuma = Rheumatoide Arthritis

Die erste Gruppe ist die rheumatoide Arthritis, früher auch chronische Polyarthritis genannt, und ihre Sonderformen. Sie ist die häufigste Rheumaform und kann in jedem Alter auftreten. Hier haben die Patienten in der Regel Entzündungen mit beidseitigen Schmerzen und Schwellung vieler kleiner Gelenke (Finger, Füße). In der Blutuntersuchung sieht man in der Regel Entzündungswerte (C-reaktives Protein u/o Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht) sowie einen typischen Nachweis von Antikörpern (vom Immunsystem hergestellte Eiweiße zur Abwehr) wie den Rheumafaktor und den AntiCCP-Antikörper.

Entzündliche Wirbelsäulenrheumaformen = Spondyloarthritiden

Die zweite Gruppe betrifft die entzündlichen Wirbelsäulenrheumaformen = Spondyloarthritiden. Hier ist in der Regel das führende Symptom ein Rückenschmerz, verursacht durch ein Entzündung, der vor allem nachts und morgens am ausgeprägtesten ist. Es können aber auch die Gelenke betroffen sein. In der Unterscheidung zur rheumatoiden Arthritis sind nicht so viele Gelenke betroffen (auch durchaus mal nur ein Gelenk) und der Befall der Gelenke ist unregelmäßig (nicht symmetrisch). Im Blut kann man auch Entzündungsstoffe sehen und in der Mehrzahl der Fälle kann man einen genetischen Marker, das HLA-B27 nachweisen, das gehäuft vorkommt im Vergleich zur Normalbevölkerung. Der Hauptvertreter hier ist die Spondylitis ankylosans oder auch Morbus Bechterew genannt. In der Erweiterung zählen zu dieser Gruppe auch die möglichen Rheumaformen im Rahmen einer Schuppenflechte (Psoriasisarthritis), dem Rheuma nach vorangehender bakterieller oder viraler Infektion (reaktive Arthritis) sowie die Rheumaformen bei chronischen Entzündungskrankheiten des Darmes (enteropathische Arthritis bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).

Bindegewebsrheumaformen = Kollagenosen

Die dritte Gruppe sind die Bindegewebsrheumaformen= Kollagenosen.

Hier kann man neben möglichen Gelenkentzündungen als führende Beschwerden Hautveränderungen (unklare Ausschläge, Hautverdickungen), Muskelbeschwerden (Schwäche, Schmerzen), Durchblutungsstörungen an den Händen und Zehen sowie Symptome wie trockene Augen und einen trockenen Mund haben. Die Bindegewebsrheumaformen können wesentlich häufiger als die ersten beiden Gruppen Entzündungen an den inneren Organe hervorrufen wie z.B. an der Niere oder der Lunge. Zu den Bindegewebsrheumaformen zählen die Erkrankungen des systemischen Lupus erythematodes, der Sklerodermie, der Myositis/Dermatomyositis und auch das Sögren Syndrom.

Gefäßrheumaformen = Vaskulitiden

Die vierte Gruppe stellen die Gefäßrheumaformen = Vaskulitiden dar.

Hier kommt es zu Entzündungen an den unterschiedlichen Gefäßen im Körper. Dadurch kann es zu einem Gefäßverschluss des Gefäßes kommen mit nachfolgender Blutung in das Gewebe und Minderdurchblutung mit zu wenig Sauerstoff des nachfolgenden Gewebes. In der Regel führt dies zu Schmerzen. Die Patienten haben zusätzlich ein starkes Krankheitsgefühl mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Je nach Befall können vorwiegend kleine Gefäße zum Beispiel der Haut entzündet sein oder auch große Gefäße z.B. der Hauptschlagader (Aorta) und ihrer Verzweigungen. Die häufigste Erkrankung hier ist die Riesenzellarteritis (Großgefäßentzündung), wo es vorrangig zur Entzündung der Gefäße der oberen Abgänge (Kopf) der Aorta kommt. Die Patienten haben als Leitsymptom Kopfschmerzen. Häufig tritt die Riesenzellarteritis in Verbindung mit der sogenannten Polymyalgia rheumatica auf, bei der die Patienten symmetrische Schulter- und Beckenentzündungen haben. Im Labor hat man in der Regel in der gesamten Gefäßrheumagruppe hohe Entzündungswerte. Zu nennen sind noch Erkrankungen, die vorwiegend die kleinen Gefäße betreffen wie die Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), die eosinophile Granulomatose mit Polyangitis (EGPA). Diese haben im Labor gehäuft ein Auftreten von speziellen Antikörpern, den sogenannten Antineutrophilen-AK= ANCAs.

Fiebersyndrome = autoinflammatorische Syndrome

Die fünfte Gruppe sind die Fiebersyndrome = autoinflammatorische Syndrome.

Diese gehören zu den sehr seltenen Erkrankungen. Das Leitsymptom ist Fieber. Hier spielen genetische Veränderungen eine große Rolle, was sich auch in dem meist sehr frühzeitigen Beginn in Bezug auf das Alter äußert. Als vielleicht bekanntester Vertreter ist das familiäre Mittelmehrfieber zu nennen.

Stoffwechselassoziierte Rheumaformen wie Gicht

Ferner werden zum rheumatischen Formenkreis noch die stoffwechselassoziierten Rheumaformen gezählt.

Hier kommt es zu einer Entzündung des Gewebes durch eine vermehrte Ablagerung von z.B. Harnsäure und der Reaktion des Abwehrsystems auf diese Ablagerungen. Bei fortgeschrittenem Krankheitsbild kann man diese Ablagerungen beim Patienten sehen und im Blut besteht eine erhöhte Harnsäure. Dieses Krankheitsbild wird „Gicht“ genannt und ist teilweise erblich verursacht, aber auch abhängig von der Aufnahme der Menge von bestimmten Stoffen (Purine) in der Nahrung. Zu den stoffwechselassoziierten Rheumaformen werden auch die Chondrokalzinose sowie auch der eher seltene Hydroxyapatitrheumatismus gezählt.

Unterscheidung zu akuten infektiösen Gelenkentzündungen, dem Weichteilrheumatismus und dem Gelenkverschleiß (Arthrose)

Gegenüber dem echten Rheuma müssen Entzündungen an den Gelenken oder anderen Geweben unterschieden werden, die direkt verursacht sind durch Bakterien, Viren oder Pilze = akut infektiöse Arthritis.

Bei bakteriellen Infektionen z.B. ist in der Regel ein Gelenk dick und geschwollen. Häufig haben die Patienten Fieber und sehr hohe Entzündungswerte im Blut. Eine Unterscheidung kann hier dann gelingen durch eine Probeentnahme der Gelenkflüssigkeit (Punktion). Dort gelingt der Nachweis von Bakterien. Eine akute bakterielle Infektion ist ein rheumatologischer Notfall. Das betroffene Gelenk muss schnell und zeitnah von orthopädischer Seite aus gespült werden, da hier die Möglichkeit einer Ausbreitung der Infektion auf den ganzen Körper bestehen kann (dann spricht man von Sepsis) und auch, da die Knochen des betroffenen Gelenkes durch die Infektion schnell zerstört werden können. Anschließend erhält der Patient noch die Gabe eines Antibiotikums.

Weiterhin muss oft gegenüber dem echten Rheuma auch der sog. Weichteilrheumatismus = Fibromyalgie unterschieden werden. Es kommt zu einem wandernden Ganzkörperschmerz. Zusätzlich bestehen Symptome wie Schlafstörungen, Herzrasen sowie Durchfall und Verstopfung. Hier ist im Gegensatz zu den echten Rheumaformen keine Entzündung nachweisbar. Die Gründe für die Entstehung sind vielfältig. Es wird im Allgemeinen jedoch eine dauerhafte körperliche oder psychische Überbelastung diskutiert.

Beim Gelenkverschleiß (Arthrose) kommt es z.B. im Alter zu einer Abnutzung der Gelenkflächen und einem Rückgang der Muskulatur. Diese Beschwerden an den Gelenken bessern sich in Ruhe und nehmen unter Belastung zu und sprechen häufig auf Wärme an. Es gibt auch einen sogenannten Anlaufschmerz, wenn man z.B. vom Sitzen aufsteht und dann Beschwerden beim Gehen in den ersten paar Metern hat. Bei ausgeprägtem Verschleiß ist ein künstlicher Gelenkersatz sinnvoll.

Übersichtsbild unterschiedlicher Rheuma-Krankheitsgruppen

Wann muss ich als Patient an Rheuma denken?

Wenn unklare Beschwerden am Bewegungsapparat vorliegen oder ein Beschwerdebild vorliegt, das bisher von medizinischer nicht ausreichend erklärt werden kann bei gleichzeitigen Hinweisen auf eine Entzündung im Körper (z.B. im Blut).

Was macht der Arzt, um die Diagnose Rheuma zu stellen?

Der Arzt muss versuchen, bei den bestehenden Beschwerden gleichzeitig eine Entzündung im Körper nachweisen zu können. Dazu benutzt er unterschiedliche Diagnosesysteme: Die ärztliche Befragung, die körperliche Untersuchung, die Blutuntersuchung und bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanztomografie oder die Computertomografie.

In der ärztlichen Befragung sind als Hinweis die entzündlichen Beschwerden vor allem vermehrt nachts und morgens bei den Patienten im Vergleich zu den Arthrosebeschwerden, die eher tagsüber und abends zunehmen. In der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt auf die typischen Entzündungszeichen wie Rötung, Überwärmung, Schwellungen am Körper. Im Blut werden die Entzündungsproteine bestimmt wie das C-reaktive Protein und auch die Blutsenkung, aber auch nach bestimmten Antikörpern Ausschau gehalten. Wenn der Arzt sich bis dahin nicht sicher ist, wird er bei Ihnen auch weitere Untersuchungen anordnen, wie z.B. Röntgen oder einen Gelenkultraschall, um Entzündungszeichen zu finden.

Hat der Arzt in den oben genannten Diagnosesystemen Hinweise für eine Entzündung bei aktuell bestehenden körperlichen Beschwerden, kann er möglicherweise ein Rheuma diagnostizieren.

Ohne den Nachweis einer Entzündung in den oben genannten Systemen ist es in der Regel nicht möglich, die Diagnose eines entzündlichen Rheumas zu stellen. Dann gilt es, in anderen Krankheitsrichtungen zu suchen (z.B. Arthrose, Weichteilrheumatismus u.a.).

Welche Therapien gibt es bei Rheuma?

Therapieziele

Es gibt drei Ziele in der Therapie für Patienten mit Rheuma:

  1. Es muss dem Patienten mit der Therapie bezüglich der Schmerzen wieder deutlich besser gehen, so dass er seinem Alltag wieder geregelt nachgehen kann.
  2. Der Patient muss vor einem möglichen körperlichen Schaden durch die Entzündungen im Rahmen eines Rheumas geschützt werden.
  3. Langfristig möchte man durch eine antirheumatische Therapie den gesamten Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.

Therapieansätze

Es gibt unterschiedliche Therapieansätze, die zunehmend mittlerweile fachübergreifend sind und ganzheitlich in der Anwendung gesehen werden. Andere Fachbereiche spielen eine große Rolle wie beispielsweise die orthopädische, schmerztherapeutische und psychologische Mitversorgung der Patienten. Ergänzende Bereiche stellen die Physiotherapie, die Ergotherapie und eine Ernährungsberatung dar. Insgesamt ist die Kombination der unterschiedlichen Therapien in einer interdisziplinären Versorgung der wirkungsvollste Ansatz.

Medikamentöse Therapie

Zentraler Hauptpfeiler in der Behandlung bleibt weiterhin die medikamentöse Therapie, da für diese eine Wirkung und ein Schutz des Patienten am besten nachgewiesen sind.

Zu nennen sind hier zu Beginn Schmerzmedikamente = die nicht steroidalen Antirheumatica (NSAR). Diese haben eine kleine antientzündliche Komponente und wirken nur symptomatisch.

Ebenso wie z.B. das Kortison, das ein sehr starker Entzündungshemmer ist, aber auch nur zur Symptomreduktion gegeben wird und wenn möglich sehr zurückhaltend und zeitlich begrenzt eingesetzt werden sollte.

Das Hauptaugenmerk liegt auf den sog. Basismedikamenten. Diese wirken meisten gegen einen Teil des Abwehrsystems und können dieses und somit die Entzündungen und Schmerzen bei dem Patienten dämpfen. Diese Medikamente können in der Regel auch langfristig ohne Nebenwirkungen verabreicht werden und sie können den Patienten nachweislich die Schmerzen reduzieren, vor einem Organschaden nützen und den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.

Bei den Basismedikamenten gibt es in den letzten Jahren eine ausgeprägte Entwicklung mit großen Erfolgen in der Behandlung durch neue Medikamente. Zu nennen sind hier die seit dem Jahr 2000 vorhandenen sog. Biologikatherapien, die ein Durchbruch in der Behandlung darstellten, aber auch die sogenannten Therapien mit „Small Molecules“ wie z.B. den Januskinasehemmern, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind.

Wenn der Rheumatologe also bei Ihnen ein entzündliches Rheuma diagnostiziert, wird er versuchen, unter Berücksichtigung der drei Therapieziele (Schmerzreduktion, Organschutz vor Entzündung, günstige langfristige Beeinflussung) durch die Therapie Ihre Schmerzen zu reduzieren und sie langfristig durch eine zeitnahe Verordnung eines Basismedikaments zu schützen.

Was gibt es für weitere Unterstützungen für den Rheumapatienten?

Wir verweisen hier gerne auf die Selbsthilfeorganisationen wie z.B. die Rheumaliga oder die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew und andere.

Die Selbsthilfeorganisationen stehen hier dem Patienten mit Rat und Tat zur Seite und erfüllen gerade in der sog. Selbstbefähigung der Patienten und der Krankheitsbewältigung eine große Rolle.

Adressen und Kontakt können gerne bei uns im Haus erfragt werden oder auch im Internet nachgelesen werden.